Komplexität reduzieren:

Wie Wartung und DDD zusammenwirken

Neue Features schaffen Sichtbarkeit. Nachhaltige Qualität entsteht jedoch durch konsequente Wartung.

Das gilt gerade dann, wenn eine Software bereits gewachsen ist und eine gewisse Reife erreicht hat. Viele Teams priorisieren funktionale Erweiterungen und vernachlässigen dabei die Pflege bestehender Systeme. Die Folge: steigende Komplexität, sinkende Änderbarkeit und höhere Fehleranfälligkeit.

Gute Wartung ist kein nachgelagerter Schritt. Sie ist ein integraler Bestandteil der Softwareentwicklung.

Ein zentraler Baustein ist Refactoring. Es sorgt dafür, dass bestehender Code strukturiert, verständlich und erweiterbar bleibt. Dabei können auch etablierte Konzepte helfen, unter anderem aus dem Domain Driven Design.

  1. Trennung von Verantwortlichkeiten im Modell

Mit der Zeit wachsen Modelle oft zu schwer wartbaren „Gott-Objekten“. Anforderungen aus Persistenz, API und Domäne vermischen sich. Die Folge: unklare Zuständigkeiten und steigende Komplexität.

Ein bewährter Ansatz ist die Trennung in:

  • Domänenmodell (fachliche Logik)
  • Persistenzmodell (Datenhaltung)
  • API-Modell (Schnittstelle)

Das Domänenmodell übernimmt die zentrale Rolle: Es stellt sicher, dass nur gültige Zustände existieren und bildet die fachliche Logik klar ab. Tools wie mapstruct oder ModelMapper übernehmen das Mapping zwischen den Modellen.

  1. Entkopplung durch Ereignisse

In vielen Systemen kommunizieren Services direkt miteinander. Mit wachsender Anzahl entsteht ein eng gekoppeltes, schwer überschaubares Geflecht.

Die Einführung eines ereignisbasierten Ansatzes kann Abhilfe schaffen:

  • Services veröffentlichen Domänenereignisse bei Änderungen
  • Andere Services abonnieren relevante Ereignisse über einen zentralen Event-Mechanismus (z. B. Event Bus)

Das Ergebnis: lose Kopplung, bessere Erweiterbarkeit und klarere Kommunikationsstrukturen.

  1. Weg von CRUD, hin zu fachlichen Operationen

Klassische CRUD-Endpunkte (Create, Read, Update, Delete) führen häufig zu unscharfen Schnittstellen. Insbesondere generische Update-Operationen verschleiern die eigentliche fachliche Intention.

Eine Alternative sind Commands:

  • Sie beschreiben konkrete fachliche Aktionen (z. B. „Kunde umbenennen“)
  • Sie enthalten nur die dafür relevanten Daten
  • Sie machen die Intention im Code und in der API explizit

Die Schnittstelle wird dadurch verständlicher und stärker an den Geschäftsprozessen ausgerichtet.

  1. Immutability für nachvollziehbare Zustände

Veränderbare Objekte begünstigen unbemerkte Seiteneffekte. Zustandsänderungen werden schwer nachvollziehbar.

Immutable Objekte vermeiden dieses Problem:

  • Zustände werden nicht überschrieben, sondern neu erzeugt
  • Änderungen sind explizit und nachvollziehbar
  • Übergänge im Modell werden klarer sichtbar

Gerade in Kombination mit Commands entsteht so ein deutlich robusteres Systemverhalten.

Gute Wartung zahlt sich doppelt aus. Die Software bleibt beherrschbar, stabil und erweiterbar. Gleichzeitig reduziert sich die kognitive Last im Team. Strukturen werden klarer, Änderungen nachvollziehbarer und Fehler leichter vermeidbar. Etablierte Konzepte helfen dabei, auch gewachsene Systeme wieder in eine Form zu bringen, die langfristig tragfähig ist.

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